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Wenn die Eier gescheiter sind als die Hühner

„Wenn die Eier gescheiter sind als die Hühner ..." - Medienerziehung in Kitas
INTERVIEW mit Michael Feldmann

 

Interview mit Michael Feldmann, Mitglied des mec-Beirats als Fachberater für kommunale Kindertagesstätten im Landkreis Germersheim.

Durch eine berufliche Veränderung scheidet Michael Feldmann zu Beginn des Jahres 2010 leider aus dem mec-Beirat aus.

mec bedankt sich bei ihm für seine fachliche Unterstützung und freut sich sehr, dass Michael Feldmann für das folgende Interview zur Verfügung stand.

 

Vorab ein kurzer Blick auf Michael Feldmanns berufliches Wirken:

Seit 30 Jahren ist Michael Feldmann im Bereich der Kindergärten tätig. Bis 1996 war er als Erzieher und Leiter direkt in der Kita-Arbeit aktiv und hat bereits zu diesem Zeitpunkt häufig Medien, u. a. auch Fernsehen mit Direktempfang in der täglichen Arbeit mit Kindern und deren Eltern eingesetzt. Seit 1996 ist er als Fachberater für die kommunalen Kindertagesstätten im Landkreis Germersheim tätig und hat im Rahmen dieser Tätigkeit erfolgreich die Sensibilität zum Einsatz von Medien in der Kita-Arbeit erhöht. Darüber hinaus entstanden auch kreisübergreifende Projekte.

 

Das Interview:

mec: Welche Chancen sehen Sie in der praktischen Medienerziehung in Kitas?

Michael Feldmann: Medienerziehung ist aus meiner Sicht nicht nur im Elementarbereich, aber insbesondere dort von außerordentlich hoher Bedeutung. Medien in ihrer vielfältigen und inzwischen fast unüberschaubaren Vielfalt sind Bestandteil des täglichen Lebens geworden und unverzichtbar. Umso höher ist die Notwendigkeit sich mit dieser Vielfalt pädagogisch kreativ und konstruktiv auseinander zu setzen. Die Zeit, in der Fernsehen als der Ursprung aller schlechten Erziehung gesehen wurde, sollte endlich vorbei sein und Lebensrealitäten von Kindern und deren Familien müssen wahrgenommen und in der täglichen pädagogischen Arbeit unbedingt Berücksichtigung finden. Kinder brauchen keine künstlichen Welten, sondern Begleitung in der aktiven Auseinandersetzung mit sich und der Welt. Eltern, Kitas, Schulen und alle anderen Beteiligten sollten diese Chance nicht ungenutzt lassen!

 

mec: Welche Voraussetzungen müssen dafür gegeben sein?

MF: Vielmehr als die medientechnische Ausstattung einer Kita ist die Sensibilität und das Bewusstsein für eine aktive Medienpädagogik Grundvoraussetzung, um diese Inhalte auch in der pädagogischen Arbeit einfließen zu lassen. Häufig ist aber festzustellen, dass gerade diese Basis fehlt. Kinder bringen Erfahrungen, Kenntnisse und Erlebnisse aus ihrem Alltag mit, die oft für Pädagoginnen und Pädagogen nicht nachvollziehbar sind. Dies beginnt mit für Erzieherinnen unbekannten Kindersendungen im Fernsehen, Computerspielen und geht weiter mit der technischen und praktischen Kompetenz im Umgang mit Geräten. Die Notwendigkeit für diese Voraussetzungen in den Kitas muss von den Beteiligten erkannt werden und entsprechende Maßnahmen getroffen werden, damit wirklich eine Veränderung passieren kann.

 

mec: Warum ist praktische Medienerziehung noch nicht Bestandteil des pädagogischen Konzepts in allen Einrichtungen?

MF: Einen Teil dieser Frage habe ich bereits in der vorherigen beantwortet. Sicherlich fehlt es an der ein oder anderen Stelle auch an finanziellen Mitteln. Dies würde ich aber als nachrangig bezeichnen, denn für andere pädagogische Mittel und Spielmaterialien werden ja auch Gelder aufgewendet, die bei entsprechendem Bewusstsein auch für medienpädagogische Belange ausgegeben werden können. Eine Hürde besteht aber auch oft bei der Elternschaft und auch dem Träger einer Kita. Die Meinung, dass der Kindergarten ein medienfreier Raum sein soll, da die Kinder zu Hause ohnehin zu viel konsumieren, sollte nicht handlungsweisend sein. Gerade eine umgekehrte Sichtweise ist erforderlich! Konstruktive Auseinandersetzung heißt konkrete und vor allem reflektierte Nutzung von Medien im Tagesverlauf der Kita. Ein aktiver Einbezug der Eltern im Sinne einer Bildungs- und Erziehungspartnerschaft ist dabei unerlässlich, worin aber auch gleichzeitig wieder eine weitere Hürde besteht.

 

mec: mec verknüpft Medienkompetenz durch aktive Medienarbeit mit der Förderung von Sprachförderung und Literacy. Wo sehen Sie dementsprechend die Ansatzpunkte für mec, um einen Beitrag zur Vermittlung von Medienkompetenz im frühkindlichen Bildungsbereich zu leisten und den Boden zur nachhaltigen Verankerung von Medienkompetenz in Kitas zu bereiten?

MF: Es könnten sicherlich noch weitere Materialien gefunden und/oder entwickelt werden, die im regulären Tagesverlauf einer Kita Einsatz finden können. Ohne meine vorherigen Antworten zu wiederholen, möchte ich aber auch hier auf das zuvor Gesagte hinweisen. Wenn es aufgrund des Bewusstseins von Pädagog/innen zum Alltag wird, dass zum Beispiel bei gezielter Sprachförderung oder Bilderbuchbetrachtungen Videoaufnahmen gemacht werden, die sich Kinder dann möglichst eigenständig anschauen und kommentieren dürfen oder ein Digitalfotoapparat (der nicht mehr sehr viel kostet!) Kindern ohne besondere Einschränkung täglich als Beschäftigungsmaterial zur Verfügung steht (das technische Know-how auch zum Übertragen der Bilder auf dem PC kann sicherlich Kindern und Erzieher/innen schnell vermittelt werden), werden Freude und Spaß am Entdecken geweckt und verankert.

Der mec könnte sich in diesem Sinne sich noch stärker als bisher an Fachberatungen und Fortbildner/innen wenden, um dort bei anderen Themen die Möglichkeiten zum kreativen Einsatz der unterschiedlichen Medien aufzuzeigen und mit zu entwickeln.

 

mec: Was kann getan werden, damit die Angebote von mec auf noch mehr Resonanz stoßen?

MF: Einerseits ist die Mitgliedschaft in einem Club förderlich. Andererseits wirkt dies sicherlich für viele Erzieher/innen und Kitas sehr verbindlich und verpflichtend. Der Service- und Beratungsansatz könnte stärker gewichtet und kommuniziert werden. Möglicherweise könnte ein Angebot so entwickelt und gestaltet werden, dass z. B. bei Planungstagen und Teambesprechungen unterstützend medienpädagogische Berater/innen dabei sein könnten, um Ideen mitzuentwickeln, wie bei den regulären Themen Medien zum Einsatz kommen können und wie diese konkret eingesetzt werden können. Eine praktische Unterstützung im Tagesgeschehen einer Kita wäre dann ein weiters Angebot.

 

mec: Medienprojekte sind gut geeignet zur Gestaltung des Übergangs Kita – Grundschule und der Elternbildungspartnerschaft. Worin liegen Ihrer Meinung für diese beiden Bereiche die größten Herausforderungen?

MF: Das Problem liegt hier nicht in der Frage nach Medienprojekten, sondern in der Kooperationsbereitschaft der o. g. Gruppen als solche. Es gibt hier noch sehr viele Bausstellen, die auf eine Bearbeitung warten. Gegenseitiger Respekt und Zuschreibung von Kompetenzen auch bei den anderen Partnern auf gleicher Augenhöhe ist hier die Voraussetzung schlechthin, auch wenn sicherlich unterschiedliche Positionen relevant sind. Medienprojekte können und sollen hier im wahrsten Sinne des Wortes auch Medien sein, die die Kooperation fördern.

 

mec: Was raten Sie Erzieher/innen, die kreative Medienerziehung in der Kita umsetzen möchten?

MF: Mut und Lust zum Ausprobieren. Das Eingeständnis eigener Schwächen und das Erkennen von Stärken bei sich selbst. Spaß, die Fähigkeit zur Selbstreflexion und den Weitblick im Umgang mit Kindern und deren Familien.

 

mec: Was wünschen Sie dem mec?

MF: Ich wünsche dem mec, dass nach dem Projektzeitraum das Thema Medienpädagogik nicht wieder in der Versenkung verschwindet, sondern dass sich aus dem mec eine Arbeits- und Sichtweise entwickelt, die zukunftsorientiert und gewinnbringend für die nachfolgenden Generationen der Mediennutzer sein kann.

 

mec: Lieber Herr Feldmann, herzlichen Dank für das Gespräch. mec wünscht Ihnen alles Gute für Ihren neue berufliche Tätigkeit einfügen. Wir freuen uns darauf, wenn sich auch zukünftig Ihre Wege und die des mec kreuzen werden.

 

Das Interview führte Birgid Dinges, mec-Koordinatorin und Leiterin Lernwerkstatt Kita der medien+bildung.com. Januar 2010

 
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